MYSTERIUM UNICORNIS

 

Wasserlilien wenden ihre Nachtschattenblätter um,

Eulen breiten Traumschwingen im Sternenlicht aus,

Flamingos tauchen ihre Schnäbel in den Fluss,

Um des Stromes Silberreflexe zu erhaschen.

Der Mond ergießt sich in die samtblaue Nacht

Wie ein Wasserfall in endlosen Kaskaden des Lichts,

Und ein Nebel von Jasminduft liegt in der schweren Luft.

Das ist des Einhorns Nachtgarten;

Hier weidet es, inmitten summender Insekten,

Von Spinnwebträumen liebkost. 

 

Im Herzen des Waldes ward das Einhorn geboren, 

Und in den schweigenden Räumen der Bäume wuchs es auf,

Bewacht von Winden und leichtfüßigen Schatten.

Heil Dir, Einhorn, Gott des Wissens! 

Wie ein dunkler Geist an den Rändern es Bewusstseins

Bleibst Du uns als ein Nachtschatten der Seele.

 

Sind mein em Einhrn über Nacht Flügel gewachsen?

Der Mond hat sich in tiefschwarze Wolken gehüllt,

Doch auf den verborgenen Pfaden des Regenbogens

Kommt sein Gesandter, das Einhorn, daher: 

Lichtpunkte glitzern auf seiner Mähne,

Das Einhorn hütet mancherlei Geheimnisse - :

Geheimnisse des Dschungels und des Mondlichts,

Wie kristallene Labyrinthe auf dem Grunde des Meers.

 

Hast Du je die Nähe des Einhorns verspürt?

Berührte Dich die Kühle seiner silbernen Haut?

Spürtest Du den sanften Hauch seines Drachenatems?

Schautest Du dem Spiel seiner tänzelnden Hufe zu?

Und hast Du ihm je in die samtblauen Augen geschaut,

In jene Märchenaugen, in denen sich Welten spiegeln?

 

Das Einhorn kam in die Welt als das Erste aller Wesen,

Mit Milchglasflügeln landete es wie ein seidener Geist

Auf den felsigen Vorgebirgen der Schöpfung.

Aufrecht steht es in den Winden der Dämmerung,

Der Himmel voll von düsteren Drachenwolken,

Vom Lichte niedergehender Kometen sanft erhellt.

 

Einhörner stehen im weiten Weltenraum wie Fixsterne; 

Dichtgedrängte Reihen von Einhörnern bewachen,

Anthrazitenen Statuen gleich, die Enden des Universuns;

Machtvoll erglänzen die wie in Bronze gegossenen Flanken,

Sternenlicht umhüllt die silbernen Hörner.

 

Das Einhorn steht einsam wie ein Eiskristall im All;

Auf- und abwärts bewacht es die Kanäle der Zet,

Denn Vergangenheit und Zukunft fallen ineins

In des Einhorns Gegenwart. Wächter ist es

Das die Stille des Ungekannten bewahrt.

 

Wenn eines Tages die Tempel bersten und die Erde erbebt,

Und die Sterne in dunkle Räume des Vergessens fallen,

Dann wird ein Einhotn jäh aus den Kataklysmen brechen; 

Und es wird wie en Feuerross über den Himmel jagen:

Das ist das Einhorn der Apokalypse - :

In feurigen Purpurwolken wird es am Himmel erscheinen,

Wenn der jüngste Tag anbricht.

 

Das Einhorn ist ein Engel der Dunkelheit und des Lichts; 

Seine Sanftheit ist die eines milden Sommerregens,

Doch sein Horn bringt die Helle des Blitze,

Wenn es aus den purpurnen Schatten der Dunkelheit tritt;

Das Einhorn ist zugleich ein Wesen der Morgenschöne

Und ein Schrecken der Mitternacht .....

 

Dieses Gedicht ist meinem Lyrikband MYSTERIUM UNICORNIS entnommen. Der Link dazu ist hier.

 

 

 

 

 

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